17. November 2015, Allgemein

Klassiker sind Paten für neues Design

Ikonen des Möbeldesigns hat Vitra im Programm. Der Lounge Chair von Charles und Ray Eames gehört sicher dazu. Oder der Panton Chair von Verner Panton. Oder, oder, oder … Wir sprachen mit Eckart Maise, Chief Design Ocer bei Vitra, über Klassiker von heute und morgen. 


Herr Maise, was zeichnet einen Möbelklassiker in Ihren Augen aus? 

Ein Klassiker ist ein Produkt, das aktuell ist, obwohl es in einer anderen Zeit entworfen wurde. Wenn Sie Menschen einen Aluminium Chair von Charles und Ray Eames zeigen, werden viele nicht glauben, dass diese Entwürfe jahrzehntealt sind. Seine Aktualität ist für uns das entscheidende Merkmal eines Klassikers.

 

Vitra hat Klassiker im Sortiment. Aber wie sorgen Sie für die Klassiker von morgen?

Klassiker kann man nicht planen. Wir hoen, dass unsere neuen Produkte vom Markt akzeptiert werden und dass sie überleben. Ob sie dann Klassiker werden, wird sich zeigen. Sie müssen die Kraft haben, sich zu behaupten. Wir sehen Design als „Survival of the fittest“. Das ist wirklich ein wenig wie Darwinismus. 

 

 

„Auch Klassiker waren früher meist innovativ. Die Stahlrohrmöbel aus dem Bauhaus waren radikale Entwürfe und sind gerade deshalb gekauft worden.“

 

Aber kaufen denn nicht viele Menschen bewusst Klassiker? Bremsen Käufer damit nicht Designinnovation? Ist im Markt Platz für neues Design?

Ein Klassiker vermittelt immer Sicherheit, Dauerhaftigkeit. Viele Menschen suchen diese Werte, wenn sie Möbel kaufen. Ein neues Produkt ist dagegen immer Risiko, aber auch ein Fortschritt. Es gibt Käufer, die das Neue suchen. Auch Klassiker waren früher meist innovativ. Die Stahlrohrmöbel von Le Corbusier oder aus dem Bauhaus waren in den 20er Jahren radikale Entwürfe und sind gerade deshalb gekauft worden. Heute sind es Klassiker. 

 

Welche aktuellen Vitra-Produkte haben das Zeug zum Klassiker?

Das kann man – wie gesagt – nicht voraussagen. Aber die Entwürfe der Bouroullec-Brüder etwa dürften in der Designgeschichte Spuren hinterlassen. Auch der Tip Ton von Barber Osgerby oder das Polder Sofa von Hella Jongerius haben die Einzigartigkeit eines künftigen Klassikers.

 

Warum?

Die verwendeten Farbkombinationen und etwa die Formenvielfalt der großen Knöpfe aus Naturmaterialien sorgen für eine starke Emotionalität. Hella Jongerius greift damit eine Entwicklung auf, die ich für wichtig halte. Die Menschen wollen Individualität. Bei Möbeln führt das wieder stärker zu einem handwerklichen Charakter. Auch wenn so ein Sofa industriell gefertigt ist, hat dieses Design durch kleine Abweichungen etwas Individuelles – so wie in der vorindustriellen Zeit jedes Stück, das ein Handwerker fertigte, anders war. Zugleich wird da die Handschrift, die Spur des Designers stärker spürbar. Auch das ist für Vitra ein wichtiger Aspekt. Die Kunden kaufen nicht nur ein hochwertiges Produkt, sie kaufen das Konzept und die Handschrift des Designers hinter dem Produkt. 

 

 

„Das Design kann sich nicht weiterentwickeln, wenn man nur in kommerziellen Kategorien denkt.“

 

Blockiert nicht die Popularität der Klassiker die Entwicklung neuer Entwürfe? 

Die alten Entwürfe und die neuen Designs haben eine Verbindung. Die Klassiker helfen den neuen Produkten. Nicht zuletzt weil uns der Markterfolg der Klassiker erlaubt, gemeinsam mit Designern zu experimentieren. Und das Design kann sich nicht weiterentwickeln, wenn man bei der Neuentwicklung von neuen Designs nur in kommerziellen Kategorien denkt. So gesehen, sind unsere Klassiker die Paten neuer Entwürfe. 

 

 

 

 

 

 

Eckart Maise    

seit 1995 bei Vitra. Bevor er 2004 Geschäftsführer der Vitra Home Collection wurde, arbeitete Maise für das Vitra Design Museum. Seit 2009 leitet Maise das Design-Management des deutsch-schweizerischen Unternehmens. 

 

 

 

 


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