29. Dezember 2015, Allgemein

Finnische Vorreiter

„United by Design“, unter diesem Motto transportierte Vitra vor zwei Jahren die Übernahme des finnischen Möbelunternehmens Artek. Das finnische Unternehmen agiert weiter eigenständig. Und wir freuen uns auf weitere innovative Designs der Finnen. Jetzt stellte Artek „Kaari“ vor, die erste Zusammenarbeit mit Ronan & Erwan Bouroullec.

„Das finnische Designunternehmen ist mehr als nur eine  Möbelsammlung: Wie auch Vitra ist es ein kommerziell-kulturelles Projekt, das in seinem Bereich eine Vorreiterrolle innehat. Für Vitra ist es wichtig, dass Artek diese Rolle fortführen und weiterentwickeln kann“, so kommentierte der damalige Vitra-CEO Rolf Fehlbaum die Übernahme von Artek durch Vitra im Herbst 2013. Daher war es auch konsequent, dass Artek weiter unabhängig gemeinsam mit Gestaltern von internationalem Rang an Möbelentwürfen arbeitet, die zu diesem „kommerziell-kulturellen“ Projekt passen. So wie jetzt die neue Linie „Kaari“ der beiden  französischen Brüder Ronan und Erwan Bouroullec.

Der Tisch ist ein fundamentaler Bestandteil des Hauses, so grundsätzlich, dass die Moderne, die den Stuhl verändert hat und neue Typologien schuf, ihn nur geringfügig veränderte. Es ist unter diesen Umständen nicht einfach, einen neuen sinnvollen und unverwechselbaren Tisch oder gar ein Tischsystem zu entwickeln. Das aber streben Ronan und Erwan Bouroullec mit dem System Kaari (finnisch für „Bogen“) für Artek an.

Die Designer sollten ein Produkt schaffen, das zu Artek passt und gleichzeitig neu ist, also keine direkten Anleihen bei den historischen Artek-Produkten nimmt. Ronan und Erwan Bouroullec entwickelten eine Reihe von Ideen. Ein Vorschlag fiel schon bei der ersten Präsentation auf: ein neuartiges Tischbein oder besser ein Systemansatz für Beine, die ganz unterschiedliche Tische stützen könnten: kleine und große, runde und rechteckige, niedrige und hohe Tische. Bald stellte sich heraus, dass mit dem gleichen Systemansatz auch wandorientierte Gestelle wie Konsolen und Regale konstruiert werden können.

Das Prinzip ist sehr einfach:
Die vertikalen Kräfte werden von einem Holzteil aufgenommen. Der Einsatz eines gebogenen Stahlbands erlaubt eine elegante, transparente Diagonalabstützung. Das Wechselspiel zwischen dem massiven vertikalen Brett und dem Metallband gibt dem Fuß eine überraschende visuelle Leichtigkeit und verhilft ihm zu einer unverwechselbaren, grafischen Silhouette. Wenn mehrere Tische im gleichen Raum stehen, ergeben diese Silhouetten einen Rhythmus, und die Welt der sonst so statischen Tische erfährt eine ArtVibration. Beim Betrachten der Tische stellt sich die Empfindung von etwas ganz Neuem ein. Interessanterweise ist dies nicht auf den Einsatz neuer Materialien oder neuer Technologien zurückzuführen. Bei Holz und Stahlband handelt es sich um traditionelle Materialien, die in der Artek-Tradition verankert sind, in dieser Weise aber noch nie kombiniert wurden. Mit Linoleum und glänzendem HPL wurden zudem Oberflächen gewählt, die auf sehr unterschiedliche Art Licht aufnehmen bzw. reflektieren und sich im Laufe der Nutzung verändern und Patina ansetzen.

Die Kaari Kollektion umfasst neben rechteckigen und runden Tischen in je zwei Größen einen Schreibtisch, eine Wandkonsole, ein kleines rundes Regal sowie eine Auswahl an großen Wandregalen. Abgesehen von der Wahl der Materialien liegt auch der Systemcharakter in der Artek-Tradition. So wie Aalto mit dem L-leg unterschiedliche Tische, Stühle, Hocker und Behälter stützte, setzen die Bouroullecs die Verbindung von Massivholz und einem Stahlband ein, um einen Zentralfuß für kleine runde Tische, symmetrische, zweiflüglige Füße für große rechteckige Tische und Füße mit einseitigem Ausleger für Schreibtische zu schaffen. Das gleiche Prinzip wird bei der Gestaltung von wandangebundenen Tischen und Gestellen angewandt. Trotz dieser Anlehnung an Arteks Traditionen ist aber mit Kaari ein Produkt entstanden, das sich formal von den klassischen Artek Entwürfen absetzt und eine eigene Sprache gefunden hat.


Artek
Artek wurde 1935 von Alvar und Aino Aalto, Maire  Gullichsen und Nils-Gustav Hahl gegründet. Die vier jungen Idealisten glaubten an die große Synthese der Künste und wollten die Entwicklung von Architektur, Design und Stadtplanung aktiv mitgestalten. Ihre Geschäftsidee war es, „Möbel zu vertreiben sowie durch
Ausstellungen und andere Formen der Vermittlung eine moderne Lebenskultur zu fördern.“
80 Jahre nach seiner Gründung bleibt Artek eines der innovativsten Unternehmen im Bereich des modernen Designs, stets auf der Suche nach neuen Wegen an der Schnittstelle von Design, Architektur und Kunst. Das Artek-Sortiment umfasst Möbel, Leuchten und Accessoires der nordischen Meister Alvar Aalto, Ilmari Tapiovaara, Tapio Wirkkala, Eero Aarnio und Yrjö Kukkapuro. Artek arbeitet auch mit führenden internationalen Architekten, Designern und Künstlern wie Shigeru Ban, Ronan und Erwan Bouroullec, Konstantin Grcic, Hella Jongerius, Harri Koskinen, Enzo Mari und Tobias Rehberger zusammen.

Teilnehmende Stores
Allgemein
storeR
storeS
storeM