01. Dezember 2017, Allgemein

Ein Objekt für die Ewigkeit

Die Begeisterung für Eames-Objekte packt Stefan Thoma vor über 22 Jahren. Als ihm in seiner Wohnung die Antiquitäten zu viel werden, macht er sich auf die Suche nach alternativen Möbeln und stößt zufällig auf den Eames Plastic Chair aus Fiberglas. Thoma ist begeistert – nicht nur von Ästhetik und Design, sondern auch von der Verarbeitung. Er beginnt, sich in die technischen Raffinessen und die Geschichte der Eames-Objekte einzuarbeiten. Heute arbeitet der von Vitra autorisierte Restaurator in seiner Werkstatt in Breisach am Rhein mit viel Leidenschaft und Knowhow Eames-Klassiker auf.

Viele der Anfragen an Thoma betreffen den Lounge Chair. Nach 30 bis 50 Jahren möchten viele Kunden ihr Lieblingsstück behutsam aufarbeiten lassen: Austauschen oder Überarbeiten der Armlehnen und des Polsteransatzes bis zur vollständigen Restauration – das sind die üblichen Wünsche. Dabei achtet Thoma sorgsam darauf, dass der authentische Zustand des Objektes erhalten bleibt. Erst wenn ein Sessel zweckentfremdet wird, können Schäden auftreten. „Wenn ein Kunde den Lounge Chair neben sein Bücherregal stellt und als Leiter benutzt, um an die oberen Fächer dranzukommen, dann kann es schon mal passieren, dass der Stuhl irgendwann bricht. Bei normaler Nutzung und etwas Pflege bleibt die Qualität jedoch über Jahrzehnte erhalten“, erklärt der Restaurator.

Schäden am Leder lassen sich häufig auf Nagellack zurückführen: „Die Dame des Hauses sitzt zum Nägellackieren gerne im Lounge Chair. Schnell passiert das Malheur und das im Nagellack enthaltene Aceton greift das Leder an“, erzählt Thoma. Auch kreative Reparaturversuche sind keine Seltenheit. Honorige Handwerker wie Polsterer oder Schreiner besitzen oft nicht das notwendige Detailwissen, um einen Eames-Sessel aufzuarbeiten. „Da passiert es schon mal, dass das Polster mit Polsternägeln in die Plywood-Schalen des Lounge Chairs gehämmert wird oder die wertvollen Schalen zur Fixierung der Shock Mounts durchbohrt und mit Schrauben fixiert werden“, berichtet Thoma.

Seit einigen Jahren begegnen Thoma vermehrt Fälschungen: „Das hat durch den Online-Handel massiv zugenommen. Immer wieder kommen Kunden mit vermeintlichen Originalen, die keine sind“, so Thoma. Er erkennt das Plagiat auf den ersten Blick. Ungleiche Proportionen oder mangelhafte Verarbeitung sticht ins Auge. Daneben gibt es auch spezielle technische Merkmale, die aus der Produktion heraus entstanden sind und das Original einzigartig machen.

Für gefälschte Produkte hat Thoma wenig Verständnis: „Ein Original lohnt sich immer.“ Das beste Beispiel ist der Lounge Chair: „Ein Großteil meiner Kunden hat sich in den Sechzigern und Siebzigern diesen Sessel gegönnt. Nach einer so intensiven wie innigen Nutzungszeit entscheiden sich viele für eine Instandsetzung. Einen Klassiker gibt man schließlich nicht einfach so weg. Nach fachgerechter Aufarbeitung ist ein solches Objekt gut und gerne das Mehrfache des Anschaffungspreises wert. So eine Wertsteigerung gibt es nur beim Original.“

Viele Objekte, die Thoma aufarbeitet, sind in der zweiten oder sogar schon in der dritten Generation im Besitz einer Familie. Im Gespräch erfährt er viel darüber, warum die Menschen an ihrem Klassiker hängen: „Da gibt es Prokuristen, die 40 Jahre auf ihrem Eames-Objekt gesessen haben und es dann mit in den Ruhestand nehmen dürfen, oder Großeltern, die sich den Lounge Chair von ihrem ersten Gehalt geleistet haben und ihn jetzt für ihre Enkel aufarbeiten lassen. Es sind viel mehr als Möbel, das sind Geschichten.“

Ein modernes Erbstück

Ein Vitra-Original, so wie der Lounge Chair, wird oft und gerne weitervererbt. Wie bei Astrid und Mike Schade aus Münster war der Generationenwechsel ein guter Zeitpunkt für eine Generalüberholung. Die Vitra-Experten unserer Stores begleiteten das Paar bei der Restauration.

Den Lounge Chair hat Astrid Schade von ihren Eltern geerbt. Ihr Vater hat sich den Sessel zu seinem 45. Geburtstag gekauft – ausgesucht hat ihn aber ihre Mutter. Von da an sah Frau Schade ihren Vater nie wieder auf dem Sofa. „Aus dem Lounge Chair hat er die Familie und das Leben regiert“, erzählt sie. Der Sessel stammt noch aus der ersten Produktionsserie zwischen 1956 und 1961. Im Besitz der Familie Schade ist er seit 2011. Am häufigsten findet man Mike Schade darin. Sowohl er als auch seine Frau schätzen das zeitlose Design, das feine Palisander-Holz und – vielleicht das wichtigste Argument – die Bequemlichkeit.

Vor einiger Zeit hat sich allerdings das Rückenteil von der Sitzschale gelöst. Bei Stefan Thoma wurde der Stuhl aufgearbeitet. Der Restaurator stellte fest, dass Teile im Schichtholz defekt waren und erneuert werden mussten. Auch die Shock Mounts mussten ersetzt werden. Die Gummischeiben zwischen den Schrauben sorgen für die leichte Federung des Stuhls. Die Daunenpolsterung wurde von Thoma ebenfalls aufgefüllt.

Teilnehmende Stores
storeM
storeR
storeS
Allgemein